Gehalt in der Stellenanzeige: Rechtslage, Praxis und Tipps für Bewerber
Die Hälfte aller Jobsuchenden hat sich laut der StepStone Job- und Gehaltsstudie 2024/2025 schon einmal gegen eine Bewerbung entschieden, weil kein Gehalt in der Anzeige stand. 86 Prozent bewerben sich eher, wenn eines genannt wird. Wie sieht das bei den Firmen hinter Deutschlands Apps aus? Wir haben nachgezählt.
Wie oft App-Firmen ein Gehalt nennen
Das zählt unser Gehaltstransparenz-Index bei jedem Update neu, direkt aus den Bewerbungssystemen der Unternehmen: Anfang Oktober 2026 nannte rund jede zehnte Stellenanzeige bei deutschen App-Firmen ein Gehalt, bei Fach- und Führungsrollen noch weniger. Am häufigsten steht die Zahl in Ausbildungsanzeigen. Alle Anzeigen mit Gehaltsangabe findest du unter Jobs mit Gehaltsangabe.
Wer schon transparent ist
- Freecash (Sponsor dieses Boards): Spannen in fast allen Anzeigen, etwa 70.000 bis 90.000 Euro oder 80.000 bis 130.000 Euro plus Equity
- InnoGames (Hamburg): zum Beispiel 55.200 bis 72.000 Euro für eine Analyst-Rolle
- rebuy (Berlin): 75.000 bis 85.000 Euro für Senior Data Science, 100.000 bis 130.000 Euro für Head of Pricing
- celebrate apps (München): bis zu 115.000 Euro für Senior Growth Marketing
- Knuddels (Karlsruhe): 70.000 bis 90.000 Euro für Senior Data Science
- Teufel (Berlin): 40.000 bis 50.000 Euro für Einkauf und Compliance
- GOREHA (Berlin): 47.000 bis 55.000 Euro
- Flix: rund 4.300 Euro im Monat für Lokführer
- Aktion Mensch: 14 Euro pro Stunde für Werkstudierende
Auffällig: Große Fintechs und Marktplätze mit Dutzenden offenen Stellen nennen in unseren Daten kein einziges Gehalt. Bei vielen Konzernen ist das Band vorhanden, wird aber erst im Gespräch genannt.
Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ändert
Die EU-Richtlinie 2023/970 verpflichtet Arbeitgeber, Bewerbern das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne mitzuteilen: entweder in der Stellenanzeige oder spätestens vor dem ersten Vorstellungsgespräch. Außerdem dürfen Arbeitgeber nicht mehr nach dem bisherigen Gehalt fragen. Die Mitgliedstaaten mussten die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026 umsetzen. Deutschland hat diese Frist verpasst. Stand September 2026 ist das neue deutsche Entgelttransparenzgesetz noch nicht in Kraft.
Für Bewerber heißt das: Die Pflicht kommt, aber noch gilt sie nicht verbindlich. Wer heute fragt, liegt trotzdem richtig. Die Frage nach dem Gehaltsband vor dem ersten Gespräch ist legitim und wird von seriösen Arbeitgebern beantwortet.
Tipps für Bewerber
- Früh nach dem Band fragen. Am besten schon im ersten Kontakt mit dem Recruiting. Eine Firma, die ihr Band kennt, verhandelt strukturierter.
- Die Frage nach dem aktuellen Gehalt umlenken. Nenne lieber deine Gehaltsvorstellung für die neue Rolle. Mit der neuen Rechtslage wird die Frage nach dem bisherigen Gehalt ohnehin unzulässig.
- Transparente Firmen gezielt ansteuern. Auf diesem Board lassen sich Stellen mit Gehaltsangabe filtern.
- Marktdaten kennen. Unser Guide zum App-Entwickler-Gehalt 2026 gibt eine Orientierung nach Stadt und Erfahrung.