Agentur oder Produktfirma? Der Wechsel für App-Entwickler, Designer und PMs
Wer in Deutschland nach App-Firmen sucht, landet zuerst bei Agenturen: Listen von „App-Entwicklern in Köln“ oder „Top App-Agenturen Berlin“ bestehen fast nur aus Dienstleistern. Viele Entwickler, Designer und Projektmanager starten ihre Karriere genau dort. Irgendwann stellt sich die Frage: bleiben oder zu einer Firma mit eigener App wechseln? Dieses Board listet ausschließlich Produktfirmen, also Unternehmen, die ihre eigene App betreiben. Hier ist, was sich beim Wechsel ändert.
Der Kernunterschied
In der Agentur baust du Apps für Kunden. Das Projekt endet mit dem Launch oder einem Wartungsvertrag. In der Produktfirma fängt die Arbeit mit dem Launch erst an: Du arbeitest jahrelang an derselben App, misst, wie Nutzer sie verwenden, und verbesserst sie Schritt für Schritt. Erfolg bemisst sich nicht an pünktlicher Abgabe, sondern an Nutzung, Bindung und Umsatz.
Was dich in der Produktfirma erwartet
- Tiefe statt Breite. Eine Codebasis, ein Produkt, aber dafür echte Verantwortung für Architektur und Qualität über Jahre.
- Daten und Experimente. A/B-Tests, Funnels, Retention-Kurven. Entscheidungen werden mit Zahlen begründet, nicht mit Kundenwünschen.
- Skalierung. Bei Apps mit Millionen Nutzern werden Performance, Crash-Raten und Release-Prozesse zu echten Themen.
- Produktteams statt Projektteams. Entwickler, Designer, Product Manager und Analysten arbeiten dauerhaft zusammen an einem Bereich der App.
Was du in der Agentur besser lernst
Fair ist auch die Gegenrichtung: In der Agentur siehst du viele Branchen, Tech-Stacks und Kundentypen in kurzer Zeit. Du lernst, schnell einzusteigen, mit Deadlines umzugehen und Anforderungen zu klären. Das sind Stärken, die Produktfirmen schätzen, wenn du sie in der Bewerbung richtig verkaufst.
Gehalt: meist ein Plus
Produktfirmen mit eigener App und Nutzerbasis zahlen in der Regel besser als Agenturen, weil der Wert der Arbeit direkt im eigenen Produkt landet. Bei etablierten App-Firmen liegen erfahrene Mobile Engineers häufig zwischen 60.000 und 85.000 Euro, in Senior- und Lead-Rollen darüber. Dazu kommen bei Start-ups oft virtuelle Anteile. Mehr Zahlen im Gehalts-Guide.
So gelingt der Wechsel
- Erzähl Ergebnisse, nicht Projekte. Statt „Wir haben die App für Kunde X gebaut“ lieber „Die App hat nach dem Relaunch 4,7 Sterne und 30 Prozent weniger Abstürze“. Frag deine Kunden nach Kennzahlen.
- Zeig, dass du über den Launch hinaus denkst. Hast du Tracking eingebaut, einen Test aufgesetzt, eine Metrik verbessert? Das ist Gold wert.
- Wähle eine App, die du selbst nutzt. Nutzerperspektive und eigene Verbesserungsideen machen im Gespräch einen großen Unterschied.
- Starte mit Firmen, die viel einstellen. Große Produktteams haben strukturierte Prozesse und nehmen eher Quereinsteiger aus Agenturen. Aktuell stellen etwa N26, CHECK24 und Freecash viel ein.
Für Designer und Projektmanager
Für Designer bedeutet der Wechsel vor allem: weniger Pitch-Präsentationen, mehr Iteration auf Basis von Nutzerdaten und Research. Für Projektmanager aus der Agentur ist der naheliegende Schritt oft die Rolle als Product Owner oder Product Manager. Wie das gelingt, steht im Guide Product Manager werden.
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